Die Spielneurose

Äh, hi. Ich bin die Rabenmama. Jaaaaa, ich lebe noch. Komisch, oder? Habe ich gefühlt grad vorgestern schonmal geschrieben. Ich werde mich bessern und wieder regelmäßig schreiben. Hmpf!

Spielen mit dem rabenmütterlichen Nachwuchs ist derzeit ungefähr das Tollste. Wirklich. Die kleine Kröte spielt mit allem. Leeren Eierkartons, Ketten, Messer, Gabeln, Schere, Feuer. Was man ihr eben so hinhält zum ausprobieren. Viel Zeit unseres Tages geht für genau zwei Dinge drauf: Aufstehen und spielen. Meist in Kombination: Wir spielen 20 Sekunden, dann stehen wir auf, heben das Spielzeug auf – oder setzen uns versehentlich wieder hin, weil wir es mit einer Hand nicht aufheben können – drehen es in der Hand, setzen uns mit dem Spielzeug wieder hin, bespielen es ekstatisch für weitere 20 Sekunden und das Spielespielchen geht wieder von vorne los. Großartig! Dazu ist Miss Dean (die nahen Freunde und Verwandten werden den Kosenamen verstehen, der Rest muss leider doof gucken) im Augenblick schon wieder so niedlich, dass die Rabenmama ständig versucht ist, ihr ein Ohr abzukauääääähknabbern.

Nun aber zum eigentlichen Problem an der eigentlich wunderbaren Geschichte. Von einer Freundin und Mutter mit Sohn im selben Alter hat das kleine Zuckerstück ein Spielzeug geschenkt bekommen. Nicht irgendein Spielzeug. Das Spielzeug. Es gibt ja die ausgefeiltesten Spiel-Lern-Wahnsinnsteile. Dieses Spielzeug gehört nicht dazu. Es sind Becher. Ja, echt. Einfach Becher. 8 Becher in unterschiedlichen, aufsteigenden Größen. Klingt erstmal unspektakulär. Isses aber nich. Die Becher kann man nämlich zu einer Pyramide stapeln oder gar – man soll es nicht glauben – ineinander verstapeln wie Matroschkapuppen. Oder man kann es versuchen und vom eigenen Sprössling spätestens beim fünften Becher mit einer quietschlautbegleiteten totalen Abräumung zum syssiphosalen Neuanfang gezwungen werden. An sich ja immer noch witzig, zumindest für das Jungvolk. Aber hier kommt der rabenmütterliche Hang zur Neurose ins Spiel. Ich kann – ich wiederhole ich kann – nicht anders, als die Pyramide bis zum Ende aufzubauen. Es ist mir nicht möglich, ungehemmt zu unterbrechen oder diese Becher nicht vollständig aufzubauen oder ineinander zu schachteln. Herzlich Willkommen im Neurosenstadl. Wie soll das Kind ein gesundes Chaos verbreiten, wenn die Rabenmama verdammt nochmal nicht in der Lage ist, es walten zu lassen?! Die Rabenmama hat also entdeckt, dass sie becherspielneurotisch ist. Ein weiterer Punkt auf der Neurosenliste. Hier tummeln sich schon so niedliche Neurosen wie Toilettenpapierabrollrichtung (natürlich von vorne!), Desktopaufräumzwang (wie schön wäre es, wenn ich diesen Zwang auch in meinem Haus hätte!), Sockentrockensortierzwang (es gibt nur zwei Arten von Menschen: Die Doofen und die, die ihre Socken schon beim Aufhängen sortieren) und noch so einige lustige Zwänge, über die ich nicht sprechen möchte (*hust*). Es prallen also zwei dominante Wünsche aufeinander: Der Wunsch, meine Neurose zu befriedigen und der Wunsch nach dem Besten für mein Kind. Und eigentlich dachte ich immer, ich wäre das Beste für mein Honigkuchenpferd. Nun muss ich feststellen: Nicht uneingeschränkt. Die Neurose hat mich fest im Griff. Ob sie mich irgendwann stoppen kann? Wir werden es erleben.

One comment

  1. Lou says:

    Liebe Rabenmama!
    Dein Blog heute morgen hat mich echt zum lachen gebracht!
    Als ich letzte Woche zuhause ausgezogen bin, habe ich festgestellt, dass auch ich – neben vielen anderen – das Sockensortierneurose-Gen geerbt habe. Ich habe eine fantastische Entdeckung gemacht, die mich zur Befriedung meines Zwangs bringt, ohne mir unendlich viel kostbare Zeit zu rauben: ein Sockennetz! Ja, es ist wahr, es gibt sie, die Sockennetze. Sogar mit Eulen darauf! DIE sind sogar noch besser, als alle anderen ohne Eulen darauf (ist ja selbstverständlich). Sie sind fantastisch, du schmeißt alle Socken herein, packst sie in die Waschmaschine und wenn du trocknen möchtest, musst du sie nicht ewig lang aus dem Wäschewust heraussuchen.

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